Augmented Reality

Die Vorfreude, welche nach Bekanntmachung der Google Glass entstand, verpuffte recht schnell wieder. Die „Augmented-Reality-Brille“ war für den Massenmarkt ein Flopp. Die erweiterte Realität blieb jedoch weiterhin ein spannendes Thema – vor allem für die Industrie.

 

Doch was bedeutet Augmented Reality (AR) denn überhaupt? Während unter Virtual Reality eine rein digitale, virtuelle Welt verstanden wird, lässt sich unter Augmented Reality das reale Bild um eine weitere digitale Ebene erweiterten.

 

In Bezug auf Industrie 4.0 spielt AR eine essentielle Rolle. Vor allem deutsche Automobilzulieferer wollen erweiterte Realitäten in jedem Schritt ihrer Wertschöpfungskette einsetzen. Aber auch die Integration von AR-Funktionen in der Windschutzscheibe ist für Konsumenten in Entwicklung.

 

Mercedes Benz und Andere haben die Chancen der neuen Technologien bereits erkannt und investieren neben Virtual Reality inzwischen auch stark in Augmented Reality. Diese findet unter anderem in der Forschung, der Entwicklung, in Design- und Planungsprozessen, der Wartung oder auch der Produktion vielfältige Anwendung.

 

Vor allem komplexe und komplizierte Zusammenhänge lassen sich mit AR leicht verständlich darstellen. Beispielsweise lässt sich der Einbau eines Fahrzeugteils in ein spezifisches Fahrzeug – das zunächst rein virtuell konzipiert wurde, mit einer AR-Anwendung simulieren. So kann sich ein Unternehmen die tatsächliche Anfertigung des Fahrzeugteils vorab ersparen und Forschungs- und Entwicklungskosten senken.

 

Aber auch in Bezug auf den Kunden ist Augmented Reality einsetzbar. Zum Beispiel lassen sich Produkte im Marketing durch AR emotional erlebbar machen. Das beginnt bei der Darstellung eines 3D-Modells des gewünschten Fahrzeugs durch die Aktivierung der AR-Funktion mit einem Barcode im Prospekt und endet bei der virtuellen Testfahrt.

 

Die Kundenbindung langfristig und vertrauensvoll zu halten und die Zufriedenheit der Kunden zu verbessern, ist ein großes Ziel von AR. Hierbei lassen sich neue Möglichkeiten in Bereich auf Wartungen oder After-Sales Prozesse entwickeln. Steht an meinem Fahrzeug beispielsweise die nächste Wartung an, muss ich als Fahrzeughalter nicht mehr zwingend in die nächste Werkstatt.

 

Über eine App wird dem Fahrer via AR angezeigt, wie das Öl zu wechseln ist. Eine Herausforderung wird es für deutsche Autobauer sein, ihre Kunden von AR zu überzeugen. Denn im weltweiten Vergleich liegen die deutschen mit acht Prozent AR-Nutzern hinter dem weltweiten Schnitt von zehn Prozent zurück.

 

Ebenfalls ein sinnvolles Einsatzgebiet von AR ist der Bereich der Qualitätssicherung. Hierbei lassen sich fehlerbehaftete Produktionsabläufe via Augmented Reality erkennen und durch Anzeige von einzelnen Handgriffen per AR-App ohne anwesenden Experten beheben. Dies beschleunigt vor allem Wartungs- oder Reparaturarbeiten. Zudem kann die erweiterte Realität in der Produktion eingesetzt werden und somit Fertigungsabläufe verbessern.

 

Autos mit Internetanbindung werden künftig das Rennen machen – spätestens 2020 sollen Fahrzeuge mit „smarter“ Windschutzscheibe und anderen AR-Technologien den Markt durchdrungen haben. Was bislang Navigationsgeräte leisteten, bieten nun „Virtual Windscreens“ an. In der digitalen Windschutzscheibe werden in Echtzeit Informationen – virtuell direkt in das Sichtfeld integriert, angezeigt.

 

Der Fahrer kann weiterhin seinen Blick auf die Straße richten, um Staumeldungen, alternative Routen oder die Tankanzeige zu empfangen. Ablenkung beim Autofahren gehört der Vergangenheit an. Auch antizipiert das smarte Fahrsystem die Ideallinie, weist durch Einblendungen auf den potenziellen Bremsweg hin und erkennt Gefahren, noch bevor der Fahrer diese erspähte.

 

Das heißt: Viele der vorgestellten Innovationen hat die Autoindustrie bereits in ihre Prozesse integriert oder bereits auf Automessen vorgestellt. Die Zukunft des Autofahrens mit unterstützter „Augmented Reality“ ist also bald „real“.